Konferenzbericht Lobbying for Social Inclusion in Europe Bericht der Konferenz des Y.E.S.-Forums in Budapest, 22.–23. April 2oo5 jetzt auf deutsch im Internet abrufbar: ” Gemeinsam mit der ungarischen Mitgliedsorganisation ANHSH (Association of Non-Profit Human Services) organisierte Y.E.S. FORUM die Konferenz �Lobbying for Social Inclusion in Europe’. Ziel der Konferenz war, organisierte Prozesse und Strukturen einzufordern und weiterzuentwickeln, die im Besonderen die partizipative Interessenvertretung von Jugendlichen, die von sozialer Ausgrenzung bedroht sind, sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene gewährleisten. Wir glauben, dass die schwierigen Lebensbedingungen und begrenzten Teilhabemöglichkeiten von benachteiligten Jugendlichen einen integrativen Ansatz erfordern und sind der Auffassung, dass es nicht toleriert werden kann, jene, die bereits auf nationaler Ebene als benachteiligt erkannt werden, im Zuge des europäischen Integrationsprozesses noch stärker zu benachteiligen. Hauptaussagen und Diskussionspunkte der Konferenz: Wir begrüßen die Möglichkeiten der Koordination von Jugend- und Sozialpolitik auf europäischer Ebene und fordern ein klares und starkes Profil des Europäischen Sozialmodells gegenüber zunehmenden Konkurrenzkämpfen in einer globalisierten Marktwirtschaft und gegenüber sozialen Ungleichheiten. Wir fordern aber auch eine stärkere Verbindung zwischen Prozessen auf der europäischen und der lokalen Ebene, auf der die ausführenden Organe der Jugend- und Sozialpolitik verankert sind. Abstimmungsprozesse und intermediäre Instanzen, die den Aufbau von Partnerschaften und die Schaffung von starken Verbindungen zwischen allen Ebenen und Interessengruppen befördern, sind wichtig. Lobbyarbeit kann nur dann effizient sein, wenn sie als ein übergreifender, nachhaltiger und längerfristiger Ansatz betrachtet wird. Und sie kann nur dann erfolgreich sein, wenn die verschiedenen Methoden von Lobbyarbeit in Kombination angewandt werden: repräsentative und partizipative Formen, formelle und informelle Wege der politischen Einflussnahme, Entwicklung innovativer Strategien und Einsatz von Kommunikationstechnologien. Top-Down-Ansätze müssen mit Bottom-Up Ansätzen verknüpft werden und durchgehend von der lokalen bis zur europäischen Ebene eingesetzt werden. Lobbyarbeit und politische Prozesse können dann eine große Wirkung entfalten, wenn die eigentliche Zielgruppe sowie Praxis, Politik und Forschung direkt einbezogen sind. Wir schätzen repräsentative Formen, welche die Sichtweisen junger Menschen in die Jugend- und Sozialpolitik einbringen. Aber wir wehren uns dagegen, diese Formen als einzig legitimierte Art der Interessenvertretung anzusehen. Wir fordern deshalb mehr partizipative und themenorientierte Formen der direkten Begegnung zwischen EntscheidungsträgerInnen und benachteiligten jungen Menschen. Das vorgestellte Videokonferenz-Projekt aus England YouthNoW bietet ein gutes Beispiel, wie solche Begegnungen auf innovative Weise realisiert werden können: Jugendliche nehmen je nach Interesse an bestimmten Themen und je nach persönlichem Erfahrungshintergrund in gut vorbereitete virtuelle Diskussionen mit britischen PolitikerInnen teil. So beteiligten sich bisher über 300 Jugendliche von 10 Jugendorganisationen und Schulen aus der Region an den monatlichen Videokonferenzen (http://www.youthnow.info). Probleme und Dilemmata der politischen Lobbyarbeit, die während der Konferenz zum Ausdruck kamen: Alle Lobbyorganisationen sind mit dem grundsätzlichen Problem konfrontiert, dass Nähe zu einer bestimmten Ebene oder Zielgruppen für Distanz zu und Abgrenzung von anderen Zielgruppen und Ebenen führt. Lobbyarbeit beginnt im Lokalen – da wo die Lebensbedingungen von Jugendlichen direkt beeinflusst werden, wo es um die Ausgestaltung öffentlicher Dienstleistungen geht. Lokale Akteure und Projekte müssen deshalb unterstützt werden und Zugang zu Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen haben. Besonders in Bezug auf Ungarn wurde das Fehlen von institutionalisierten und formalen Prozessen der politischen Einflussnahme sichtbar, die unabhängig von persönlichen Beziehungen und Verbindungen zwischen NGORepräsentantInnen, PolitikerInnen und Parteien sind. Die derzeitigen Strukturen und Prozesse werden als schädlich für die demokratische Kultur und Aufbau der Zivilgesellschaft angesehen. Das Problem repräsentativer Lobbyarbeit liegt im System: Repräsentative Organisationen sind daran interessiert, ihre eigene Stellung im System zu erhalten. Daher sind sie beim Aufbau von partizipativen Strukturen und Einflussmöglichkeiten eher hinderlich als förderlich. Y.E.S. FORUM’s Lobbying Strategie – Zusammenfassung: Was wir erreichen wollen… Kombination von repräsentativen und partizipativen Formen der politischen Lobbyarbeit. Demokratische und transparente Prozesse der Meinungsbildung innerhalb von Y.E.S. FORUM. Vielfalt erlauben und Lernmöglichkeiten schaffen. Was wir vermeiden wollen… Formen der Einbeziehung von jungen Menschen, die manipulierend sind oder nur Alibifunktion haben. Das ständige und ausschließliche Präsentieren von Erfolgsgeschichten – stattdessen: Lernen aus Fehlern und von Misserfolgen. Fazit … Lobbyarbeit ist ein übergreifender, nachhaltiger und langfristiger Ansatz für den Ressourcen bereitgestellt werden müssen, der den Zugang zu Informationen erfordert und für den eine demokratische und effektive Organisationenstruktur vorhanden sein muss. Mit unserem Wissen und Erfahrungshintergrund eignen wir uns alle als Lobbyisten und sollten in den Prozess – an der entsprechenden Stelle und zum richtigen Zeitpunkt – einbezogen werden. Werden Jugendlichen in die politische Lobbyarbeit einbezogen, sollte ihnen dies als persönliche Lernerfahrung dienen und sie sollten sich gestärkt fühlen. Wir treten für eine wirkliche und gelingende Partizipation von jungen Menschen ein.” Ansprechpartner: thomas.vollmer@yes-forum.org Y.E.S. FORUM (EWIV) ist von der Europäischen Kommission als Organisation – aktiv auf Europäischer Ebene im Bereich Jugend – anerkannt und gefördert.

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Quelle: http://www.yes-forum.org/go.cfm?PageId=4449