Mit der Toleranz gegenüber anderen Kulturen ist es nicht weit her Die Europäische Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit (EUMC), eine in Wien ansässige EU-Agentur, veröffentlichte einen neuen Bericht über Einstellungen gegenüber Migranten und Minderheiten innerhalb der EU ” ‘Die Europäische Union wird zunehmend vielfältiger. Einstellungen gegenüber Minderheiten bilden deshalb einen wichtigen Indikator für die Offenheit und das interkulturelle Selbstverständnis unserer Gesellschaften“, sagte Beate Winkler, die Direktorin des EUMC, in ihrer Einführung zu der neuesten Analyse der Beobachtungsstelle, die auf Umfrageergebnissen des Eurobarometer und des European Social Survey beruht. „Die Ergebnisse des European Social Survey zeigen, dass die Mehrheit der EU Bürger kultureller Vielfalt offen gegenüberstehen. Allerdings verdeutlicht die Eurobarometer Umfrage auch kritische Haltungen gegenüber Vielfalt in spezifischen Bereichen. Diese Widersprüche veranschaulichen, dass wir noch vor beträchtlichen Anstrengungen stehen, die positiven Elemente von kultureller Vielfalt gegen die Bedenken zu setzen, die einige der Befragten äußerten.“ „Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit einer nachhaltigen Politik sowohl in der EU als auch in den Mitgliedsstaaten zugunsten interkultureller und gemeinschaftsfördernder Initiativen“, setzte Beate Winkler ihre Ausführungen fort. „Die Schaffung öffentlichen Bewusstseins für den Schutz gleicher Rechte für alle Minderheiten bleibt eine Priorität für politische Entscheidungsträger.“ Sie betonte in diesem Zusammenhang vor allem die Bedeutung des Bildungswesens. Die Analyse der Beobachtungsstelle zeigt einen direkten Zusammenhang zwischen Bildungsniveau und Einstellungen gegenüber Einwanderern und Migranten. Frau Winkler warnte jedoch vor einer Gleichsetzung von Einstellungsmustern mit diskriminierendem Verhalten. „Ablehnende Haltungen münden nicht zwingend in diskriminierendem oder rassistischem Verhalten. Aber für Angehörige von Minderheiten sind sowohl Gedanken- wie auch Verhaltensmuster der Mehrheitsbevölkerung von Bedeutung – insbesondere bei der praktischen Ausgestaltung sozialer Eingliederung, auf dem Arbeitsmarkt beispielsweise oder im Bildungswesen. Dies erfordert die Fortsetzung der Antidiskriminierungspolitik auf Ebene der EU und der Mitgliedsstaaten aber auch die Überprüfung ihrer Effektivität für die verschiedenen Bevölkerungsgruppen.“ Laut dem 2003 durchgeführten European Social Survey haben 79 Prozent der Befragten keine Probleme in der Interaktion mit Minderheiten. Gleichzeitig hat aber fast die Hälfte eine kritische Einstellung gegenüber kultureller und religiöser Vielfalt. Nach Ergebnissen der ebenfalls 2003 durchgeführten Eurobarometer-Umfrage sind 60 Prozent der Befragten in den damals 15 EU Mitgliedsländern der Meinung, dass Multikulturalität Grenzen hat. Diese Meinung hat seit 1997 zugenommen. In den neuen Mitgliedsländern wurde diese Einstellung weniger stark geäußert (42%). Dies sind einige der Studienergebnisse des vom EUMC mit der Analyse beauftragten Forscherteams. Die Umfragedaten umfassen den Zeitraum von 1997 bis 2003 und schließen Informationen aus allen 25 EU Mitgliedsländern sowie aus drei Kandidatenländern (Bulgarien, Rumänien und Türkei) ein. Die Auswertung bietet vor allem wichtige Erkenntnisse, wenn man die persönlichen Daten der Befragten vergleicht, etwa im Bezug auf Alter, Einkommen, Bildung und Wohnsitz. In den 15 ‘alten’ EU Mitgliedsländern steigt die Offenheit gegenüber Migranten und Minderheiten mit dem Bildungsniveau der Befragten. Je höher der Bildungsstand, desto weniger Vorbehalte gegenüber kultureller und religiöser Vielfalt, so ein Ergebnis des Forscherteams. In allen Umfrageländern existiert ein direkter Zusammenhang zwischen sozialem Status und der Offenheit gegenüber Minderheiten. Befragte aus sozial benachteiligten Schichten – etwa solche, die ihre Bildungskarriere früher abschließen oder die über ein geringes Einkommen verfügen – legten eher negative Einstellungen an den Tag. Zu einem Großteil hängt dies – so die Forscher – damit zusammen, dass sozial Benachteiligte sich in Konkurrenz um knappe Ressourcen mit Minderheiten fühlen – etwa um Arbeitsplätze. Insgesamt sind jüngere Bevölkerungsgruppen offener gegenüber Vielfalt. Solche mit häufigerem Kontakt zu Minderheiten und Migranten, also etwa urbane Bevölkerungsgruppen, erscheinen eher bereit, multikulturelle Ansätze zu unterstützen, als Bevölkerungsgruppen aus ländlichen Regionen der EU. Der Bericht beleuchtet sowohl gemeinsame Muster wie auch Unterschiede zwischen den EU Mitgliedsstaaten. Ein übereinstimmendes Muster, so das Forscherteam, ist: Je höher das Bruttosozialprodukt pro Kopf, desto geringer im Allgemeinen die Bereitschaft, ethnische Intoleranz zu unterstützen. Die Ergebnisse wurden in vier verschiedenen Berichten präsentiert. Die wichtigsten Resultate sind in einer Zusammenfassung veröffentlicht. Alle Berichte können von der Webseite der Beobachtungsstelle herunter geladen werden.” Hintergrundinformationen Europäische Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit (EUMC) ” Die Europäische Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit (EUMC) wurde 1997 auf Grundlage der Verordnung des Rates 1035/97 (EC) gegründet. Es hat seinen Sitz in Wien und ist eine Agentur der Europäischen Union. Das vorrangige Ziel der EUMC besteht darin, der Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten objektive, verlässliche und vergleichbare Informationen auf europäischer Ebene über Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus vorzulegen, um sie dabei zu unterstützen, Maßnahmen zu ergreifen bzw. Vorgehensweisen festzulegen. Ferner untersucht die EUMC das Ausmaß und die Entwicklung rassistischer, fremdenfeindlicher und antisemitischer Phänomene und Erscheinungsformen, analysiert ihre Gründe, Folgen und Auswirkungen und präsentiert Beispiele bewährter Praktiken beim Umgang mit diesen Erscheinungen. Schließlich formuliert die EUMC Gutachten und Schlussfolgerungen für die Gemeinschaft und ihre Mitgliedstaaten. Im Dezember 2003 entschieden die Regierungen der Mitgliedsstaaten das Mandat des EUMC hin zu einer Menschenrechtsagentur zu erweitern. Internet: http://eumc.eu.int ” – EB2005-summary.pdf

http://www.eumc.eu.int
die
komplette
Studie

Quelle: http://eumc.eu.int/eumc/material/pub/eurobarometer/EB2005/MR-194-03-05-01-DE.pdf

Dokumente: EB2005_summary.pdf