Netzwerk „Integration durch Qualifizierung„ – Bundesweites Informations- und Beratungsnetzwerk für Arbeitsuchende mit Migrationshintergrund ” Die Eröffnungsveranstaltung des Netzwerks ‘Integration durch Qualifizierung’ fand am 20. Juni 2005 in der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin statt. Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft führten in die Themen und die Arbeit des Netzwerkes ein. Schirmherr ist Gerd Andres, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit. Die Aufgabe ‘Integration durch Qualifizierung’ – kurz IQ – ist der Name und das Ziel dieses Netzwerks. Es entwickelt deutschlandweit neue Strategien zur Verbesserung der Arbeitsmarktsituation von Migranten, Aussiedlern und anerkannten Flüchtlingen. Instrumente und Maßnahmen werden neu entwickelt oder bestehende optimiert, diese dann erprobt, und erfolgreiche Modelle werden Regelinstitutionen angeboten. Die Akteure Von Mitte 2005 bis Ende 2007 arbeiten daran sechs Entwicklungspartnerschaften, bestehend aus insgesamt rund 70 Teil-projekten. Die Netzwerkakteure sind erfahren in der Maßnahmenentwicklung zur Arbeitsmarktverbesserung von Zuwanderern und können daher auch auf bestehenden Instrumen-ten aufbauen. Zudem ist das Netzwerk offen für eine Zusammenarbeit mit weiteren Partnern z. B. aus der Wirtschaft. Die Koordinatoren Das Koordinierungsprojekt ‘Integration durch Qualifizierung’ (KP IQ) bei der Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk (ZWH) bündelt die Arbeit der einzelnen Entwicklungspartnerschaften und trägt Ergebnisse an Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft heran. Die Förderer Das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit und die Bundesagentur für Arbeit initiierten und för-dern das Netzwerk IQ. Die sechs Entwicklungspartnerschaften werden zudem durch die europäische Gemeinschaftsinitiative EQUAL unterstützt. Netzwerk-Infos ‘Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland sind erfolgreiche Unternehmer, hervorragende Fachkräfte und vielver-sprechender Nachwuchs für die Wirtschaft. Sie sind hoch motiviert, mindestens zweisprachig und kennen verschiedene Kulturen. Mich haben diese Menschen beeindruckt und ich denke, es ist allerhöchste Zeit, das Potenzial von Arbeitnehmern mit Migrationshintergrund für die Wirtschaft nutzbar zu machen.’ (Wolfgang Clement, Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit) Die Arbeitsmarktstatistik Das Potenzial ausländischer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wird derzeit wenig gefördert und daher auch kaum von Wirtschaft und Verwaltung genutzt. Das belegen die Arbeitsmarktstatistiken. So waren im Mai 2005 nach Angaben der Bundes-agentur für Arbeit bundesweit 4.806.589 Menschen arbeitslos gemeldet, was einer Arbeitslosenquote von 11,6 Prozent entspricht. Die Arbeitslosenquote unter Menschen mit ausländischem Pass ist mit 25,4 Prozent mehr als doppelt so hoch. Ursachen für die hohe Arbeitslosigkeit sind vor allem fehlende berufliche Qualifikationen und unzureichende Anerkennung vorhandener Kompetenzen. Auch das zeigen die Arbeitsmarktdaten, denn der Anteil der arbeitslosen Ausländer ohne abge-schlossene Berufsausbildung beträgt über 70 Prozent. Die Strategie Dies zu ändern, ist Aufgabe des Netzwerkes ‘Integration durch Qualifizierung’. Statt regionaler Einzelaktivitäten, die für eine begrenzte Zeit vor Ort gute und hilfreiche Arbeit leisten, entwickeln deutsch-landweit sechs Entwicklungspartnerschaften Modelle und Methoden. Das Arbeitsfeld reicht von Beratung über Kompetenzfeststellung, Sprachförderung von berufsbezogenem Deutsch, Fort- und Weiter-bildung, Existenzgründung bis zu interkultureller Personal- und Organisationsentwicklung. Die Modelle werden erprobt, evaluiert und optimiert und stehen dann Regelinstitutionen zum Transfer für langfristige Angebote zur Verfügung. Netzwerk-Themen Die Netzwerkakteure haben sich zunächst auf sechs Schwerpunktthemen verständigt. Für die Zielgruppe sollen entwickelt werden: 1) maßgeschneiderte Beratungsangebote 2) Verfahren zur Kompetenzfeststellung 3) gezielte Fort- und Weiterbildungen 4) Angebote zu berufsbezogenem Deutsch 5) Beratungen zur Existenzgründung und -sicherung 6) Konzepte für interkulturelle Personalentwicklung 1. Beratung Maßgeschneiderte Beratungsangebote: multikulturell und ergebnisorientiert Der Hintergrund Eine optimale Beratung holt Menschen inhaltlich und psychologisch da ab, wo sie stehen. Migranten haben aufgrund ihrer persönlichen Situationen und ihres kulturellen Hintergrunds andere Ausgangs-positionen als Ratsuchende, die aus dem deutschen Kulturraum kommen. Der Lösungsansatz Von Vorteil für Zuwanderer sind daher beispielsweise Angebote mit Beraterinnen und Beratern, die ebenfalls einen Migrations-hintergrund haben, andere Formen der Gesprächsführung, die sich an herkunftskulturelle Kommunikationsstrukturen anlehnen, oder eine muttersprachliche Unterstützung der Beratungsgespräche. Das Ziel Das Netzwerk ‘Integration durch Qualifizierung’ entwickelt maßgeschneiderte Beratungskonzepte, erprobt sie und initiiert die bundesweite Übernahme in Regelberatungen. Zu den Arbeitsfeldern zählen:  Berufswegberatung  Qualifizierungsberatung  Existenzgründungsberatung  Unternehmerberatung  Beratungsnetzwerke in und mit Unternehmen (Handwerk / Industrie)  sowie öffentlichen Verwaltungen  Beratungsnetzwerke in und mit Migrantenorganisationen 2. Kompetenzen Kompetenzfeststellungsverfahren: das Besondere herauskristallisieren Der Hintergrund Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Migrationshintergrund sind sich ihrer (besonderen) Fähig-keiten oft nicht bewusst, fördern diese daher nicht und können erst recht nicht einem potenziellen Arbeitgeber klar machen, wie solche Kompetenzen für seinen Betrieb von Nutzen sein könnten. Auf der anderen Seite wissen viele Migranten durchaus um ihre Fähigkeiten, können diese aber mangels formaler Nachweise ebenso wenig nutzen. Handlungsbedarf besteht im Bereich der sozialen Kompe-tenzen. Hier soll eine größere Beachtung durch Arbeitgeber erzielt werden – für alle Arbeitnehmer, gleich welcher Herkunft. Der Lösungsansatz Das Netzwerk IQ wird daher Kompetenzfeststellungsverfahren weiter entwickeln, mit denen formal nachgewiesene und nicht formale Fähigkeiten dokumentiert werden können. Im nächsten Schritt wird die Anerkennung angestrebt, sowohl des Nachweises selbst als auch der im Ausland erworbenen Qualifikationen – deutschland- und europaweit. Das Ziel Auf der Basis bestehender Kompetenzfeststellungsverfahren werden auf Migranten zugeschnittene Instrumente entwickelt, anhand derer Fähigkeiten ermittelt, nachgewiesen und anerkannt werden können. Netzwerk IQ – Seite 4 Folgende Kompetenzen sollen dabei erfasst werden:  Personale Kompetenz  Soziale Kompetenz, insbesondere interkulturelle Kompetenz und  Sprachkompetenz  Methodenkompetenz  Aktivitäts- und Handlungskompetenz  Fachkompetenz  Weiterbildungsfähigkeit und -bereitschaft 3. Fachsprache Berufsbezogene Sprachförderung: fachsimpeln in Deutsch wie in der Muttersprache Der Hintergrund Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Migrationshintergrund wollen beruflich weiterkommen, haben aber Schwierig-keiten mit fachbezogenen Begriffen und Texten. Entsprechende Maßnahmen zur Verbesserung der beruflichen Sprachkompe-tenz werden bislang nicht ausreichend angeboten. Der Lösungsansatz Das Netzwerk IQ will eine Ausweitung und Optimierung solcher Angebote erreichen. Dazu werden Sprachlernangebote gesichtet nach Bedarfsorientierung, Didaktik und Lehrmaterial und diese wenn nötig verbessert, ergänzt oder neu entwickelt. Das Ziel Ausreichende Sprachlernangebote sind das oberste Ziel. Neue Lernformen zur Förderung von berufsbezogenem Deutsch zu initiieren, ist ein weiteres Ziel. Darüber hinaus sollen berufliche Qualifizie-rung und Sprachlernangebote kombiniert werden. Kurse zum berufsbezogenen Deutsch werden dann im Idealfall direkt in Unternehmen eingerichtet. Konzepte zur Sprachförderung:  berufsbezogene Sprachkurse, die Sprachunterricht und Qualifizierungsbausteine verknüpfen  innovative Didaktik , beispielsweise ‘Lernspirale’ (unterschiedliche Lernmethoden wiederholt einsetzen)  Fachsprachenkompetenz als Vorbereitungskurs zur Externenprüfung im Handwerk  Teamteaching (Lehrkraft + Ausbilder) 4. Qualifizierung Gezielte Fort- und Weiterbildung: interkulturelles Lernen Der Hintergrund Die Beteiligung von Ausländern an Fort- und Weiterbildungen ist gering und liegt mit Teilnahmenquoten von 29 Prozent weit unter dem Durchschnittswert von 42 Prozent der Deutschen (Quelle: BMBF, Zahlen von 2003). Vor dem Hintergrund des ohnehin niedrigen Niveaus anerkannter beruflicher Quali-fikationen unter Zuwanderern ist dies besonders schwerwiegend. Der Lösungsansatz Das Netzwerk ‘Integration durch Qualifizierung’ nutzt bestehende Fort- und Weiterbildungsangebote für Migranten, setzt sich dafür ein, dass diese ausreichend zur Verfügung gestellt werden, und sorgt dafür, dass die Zielgruppe vom Angebot erfährt. Das Ziel Ziel ist es, berufsbezogene Defizite zu beseitigen und Potenziale zu fördern. Soweit erforderlich, werden auch neue passgenaue Weiterbildungen konzipiert. Fort- und Weiterbildungen für Migranten:  Kurse zu berufsbezogenem Deutsch  EDV-Schulungen  Nachqualifizierungen  Trainings zu Arbeitsmarktfitness – Schlüsselqualifikationen für den Arbeitsmarkt fördern  Schulungen für Existenzgründer Fort- und Weiterbildungen für Multiplikatoren – mit und ohne Migrationshintergrund:  Schulungen zu interkultureller Kompetenz  migrantenspezifische Weiterbildung von Lehrkräften  Schulungen von Unternehmensberatern  Trainings zu Personalauswahlverfahren  Gender-Trainings  Vorbilder trainieren – für Statements, Interviews, Präsentationen 5. Existenzgründung Unterstützung von Existenzgründung und -sicherung: Migranten gründen anders Der Hintergrund Menschen mit Migrationshintergrund sind doppelt so gründungsfreudig wie Deutsche. Doch die Fluktuation ist groß, weil viele Unternehmen nicht lange am Markt bestehen. Ursachen dafür sind bei-spielsweise fehlende fachliche und betriebswirtschaft-liche Qualifikationen, geringe finanzielle Rückla-gen auf der einen Seite und seltene Kreditvergaben durch Banken auf der anderen. Netzwerk IQ – Seite 6 Die Situation am Arbeitsmarkt spielt keine unbedeutende Rolle beim Schritt in die Selbstständigkeit – bestehende Arbeitslosigkeit, Angst vor Arbeitsplatzverlust oder Unzufriedenheit sind häufige Motive für Existenzgründungen bei Migrantinnen und Migranten. Der Lösungsansatz Das Netzwerk will Existenzgründung von Zuwanderern – auch Gründungen aus Arbeitslosigkeit heraus – auf eine solidere Basis stellen und die Unternehmer zudem bei der Existenzsicherung unterstüt-zen. Dazu bedarf es entsprechender Beratung, Schulung, Förderung und Begleitung. Das Ziel Folgende Angebote zur Existenzgründung und -sicherung sollen im Rahmen des Netzwerks IQ entwickelt und eingesetzt werden:  Vermittlung fachlicher und betriebswirtschaftlicher Qualifikationen Interessenvertretungen bei Kammern fördern  Schulung und Einsatz interkultureller Betriebsberater  Kreditkampagnen initiieren und begleiten  Unterstützung bei Betriebsübernahmen  Förderung von Existenzgründern und Existenzbegleitung  Hilfen, um Arbeits- / Ausbildungsplätze zu schaffen und zu sichern 6. Diversity Management Interkulturelle Personal- und Organisationsentwicklung: Potenziale erkennen und nutzen Der Hintergrund Deutschlands Gesellschaft ist interkulturell. Denn allein in den letzten 15 Jahren verzeichnete die Bundesrepublik nach den USA die meiste Zuwanderung. In den Personalstrukturen von Wirtschaft und Verwaltung spiegeln sich die verschiedenen Kulturen der Gesellschaft nur verzerrt wieder. Durch interkulturelle Öffnung von Betrieben und öffentlichen Verwaltungen wird dieses Spiegelbild entzerrt – das birgt Chancen und Risken. Der Lösungsansatz Interkulturelle Personalentwicklung befasst sich mit Rekrutierung, Auswahl und Bindung von Arbeit-nehmerinnen und Arbeit-nehmern mit Migrationshintergrund. Interkulturelle Öffnung durchleuchtet alle Betriebsabläufe im Hinblick auf einUnternehmer- tum in Deutschlands Gesellschaft mit Menschen aus verschiedenen Kulturen. Werden beispielsweise Landsleute eingesetzt, um Kunden mit Migrationshin-tergrund gezielt zu betreuen? Können durch Mitarbeiter ausländischer Herkunft neue Märkte er-schlossen werden, indem Produkte entwickelt und vermarktet werden, die auf spezifische Anforderungen von Menschen aus anderen Nationen ausgerichtet sind? Kann der Betrieb vom Einsatz interkultureller Teams profitieren? Das Ziel Interkulturelle Öffnung bietet Chancen für Unternehmer, öffentliche Verwaltungen und Arbeitnehmer. Netzwerk IQ – Seite 7 Deshalb will das Netzwerk IQ die interkulturelle Öffnung fördern durch:  Konzepte für interkulturelle Personalentwicklung in und mit Betrieben  Arbeitsplatzsicherung durch Fort- und Weiterbildung  Anerkennung beruflicher Qualifikationen aus dem Ausland  Schulungen zu interkultureller Kompetenz  Coaching zu interkultureller Öffnung ”

http://www.intqua.de

Quelle: http://doku.iab.de/chronik/31/2005_06_28_31_netzwerkiq.pdf