Der Caritasverband für die Erzdiözese Freiburg organisiert seit 2018 sogenannte „Europaseminare“ für die unterschiedlichen Zielgruppen in der sozialen Arbeit. Die Idee ist, mit den Menschen über „Europa“ ins Gespräch zu kommen und dabei an Ihrem Erleben, an ihren Erfahrungen, an ihren Meinungen anzusetzen. Gleichzeitig soll Faktenwissen und politische Bildung vermittelt werden, wobei viel Wert auf der jeweiligen Zielgruppe angepassten Lernformen gelegt wird.

Im Förderband (in Trägerschaft des BDKJ) nahmen rund 30 Jugendliche aus dem BEJ Berufseinstiegsjahr und Auszubildende aus einer kooperativen Reha-Ausbildung (Berufsfelder Verkauf/Lager; Hauswirtschaft und Küche) an so einem Europaseminar teil. Das Seminar fand am 19. März 2019 im Rahmen des von der katholischen Jugendsozialarbeit begangenen Josefstages statt.

Wo ist Europa? Wer ist Europa?

Als Einstieg konnten die Jugendlichen gegen die anwesenden Erwachsenen erst einmal in einen Begriffswettbewerb treten, wobei die die Jugendlichen die Experten waren. Dann klassische Länderkunde: welche Flagge gehört zu welchem Land? Mal einfacher „Frankreich“, mal schwieriger „Lettland“, gehört Russland zu Europa? und so weiter. Es zeigte sich ein erstaunliches Faktenwissen bei den Jugendlichen. Dann kam Bewegung in den Raum. Die Jugendlichen sollten sich im Seminarzimmer nach Himmelsrichtung und Entfernung zu den jeweiligen Nachbarländern so aufstellen, dass eine „Europakarte“ abgebildet wird. Als nächstes in einer Reihe und nach Größe oder Bevölkerungszahl des jeweiligen Landes aufstellen. Diese einfachen Bewegungsspiele eröffnen den Raum, um immer wieder europäische Themen und Fragen aufzugreifen, politische Bildung so nebenbei.

Spannung pur dann beim „Dalli klick“- Spiel. In Anlehnung an die Fernsehshow aus den 70er Jahren, spielten 5 Gruppen gegeneinander. Wer einen sich immer deutlicher zeigenden Begriff oder Gegenstand als erstes auf der Leinwand erkennt “buzzert“ und gewinnt, falls das richtige Bild, z.B. ein Fünf-Euroschein, genannt wird. Diese Einheiten wurden immer wieder mit Informationen über die EU, deren Institutionen und EU-Politik unterfüttert. Die Jugendlichen hatten auch die Möglichkeit kurze persönliche Kommentare und ihre Meinung zu Europa und der EU in einem mobilen Tonstudio aufzuzeichnen:

Was findest du Gut an der EU bzw. Europa?

  • Was ich an Europa gut finde sind die Rechte, nicht alle Rechte, aber die meisten, z.B. der Tierschutz und der Naturschutz, könnte man noch verschärfen…
  • Gut finde ich, dass man in den meisten EU-Ländern mit Euro bezahlen kann, dass man überall reisen kann, wohnen und arbeiten kann, das ist ja auch nicht selbstverständlich, das wir das haben in Europa, finde ich ganz klasse…l
  • … dass wir die Freiheit haben, die Gesetze und die Menschenrechte, dass wir uns äußern dürfen, wenn wir wollen, dass wir nicht verurteilt werden, wenn wir was sagen, dass wir ein Recht haben zu wählen und wen wir wählen,…
  • …Europa ist ein toleranter Kontinent, da leben viele Religionen zusammen, also ich find es gut wenn es multikulti ist, nicht nur christlich oder nur islamisch…
  • …in Europa werden weniger Kriege geführt…
  • …wir finden den Euro gut und dass man überall hingehen kann, dass man da wohnen kann, in Frankreich zum Beispiel oder Österreich…

Was würdest Du ändern?

  • …ich habe lange nachgedacht, aber das erste wäre den Autoführerschein ab 16 Jahre, aber ohne Begleitperson zu fahren. Und dann das Gras legalisieren…, viele benutzen Gras ja auch als Medikament …
  • … eigentlich weiß ich nicht was man groß ändern soll, also ehrlich, eigentlich läuft alles gut, die Menschen sind frei, sie können frei leben, ich bin eigentlich zufrieden was die EU angeht und das System,
  • … also im Alltag denk ich nicht so an die EU, ich leb‘ halt mein Leben und es gibt da keine Probleme, ich kann frei rausgehen ohne nachzudenken, dass mir vielleicht was passieren könnte
  • …ich find’s gut, dass nicht einfach jedes Land Mitglied werden kann, also Länder, die z.B. noch die Todesstrafe haben…
  • … also der Diesel sollte bleiben … nicht jeder hat die volle Taschen, dass er sich ein Elektroauto leisten kann, oder einen teuren Benziner …
  • zur AFD: … ich find die brauchen keine Angst vor den „Neudeutschen“ zu haben, ich habe selbst Migrationshintergrund, ich verhalte mich gut und die Ausländer zahlen auch die Steuern …

Viele Ideen, wie Europa spielerisch vermittelt werden kann, findet man in einer Zusammenstellung des European Play Day..

Quelle: BAG KJS: Alexander Hauser, Jugendsozialarbeit & Europa