Wie leistungsfähig und chancengerecht ist die berufliche Bildung?

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Berufliche Bildung in Deutschland verfolgt zwei Ziele. Zum einen die Sicherung des Fachkräftebedarfs, zum anderen die Vermittlung erforderlicher Kompetenzen und Qualifikationen damit der Einzelne am Erwerbsleben teilhaben kann. Doch Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt erschweren diese Zielerreichung. Den Bundesländern kommt bei der Lösung des Passungsproblems und der Gestaltung der beruflichen Bildung insgesamt eine wichtige Rolle zu.

In ihrer Verantwortung liegen erstens die Teilzeitberufsschule im Rahmen der dualen Ausbildung, zweitens die nach Landesrecht geregelten Ausbildungen im Schulberufssystem und drittens ein Großteil der berufsvorbereitenden Angebote des sogenannten Übergangssektors.

Der Ländermonitor berufliche Bildung der Bertelsmann Stiftung rückt die Länder als Akteure der beruflichen Bildung in den Mittelpunkt. Die aktuelle Publikation wertet aus, wie leistungsfähig und chancengerecht die Ausbildungssysteme in 16 Bundesländern sind.

Die wichtigsten Erkenntnisse des Ländermonitors 2017

Übergang von der Schule in die Ausbildung

Der Ländermonitor berufliche Bildung untersucht den Übergang von der Schule in die Ausbildung anhand der Anfänger in den drei Sektoren der beruflichen Bildung – duales System, Schulberufssystem und Übergangsektor. Bundesweit sind Jugendliche ohne deutschen Pass bei der Suche nach einer vollqualifizierenden Ausbildung im Nachteil und nehmen doppelt so oft eine Maßnahme im Übergangssektor auf wie deutsche Jugendliche. Im Vergleich zu ihren deutschen Altersgenossen ist der Nachteil für ausländische Jugendliche besonders ausgeprägt, wenn sie maximal über einen Hauptschulabschluss verfügen. Zwischen den Bundesländern unterscheidet sich das Chancengefälle erheblich. Besonders groß sind die Nachteile der Ausländer in Bayern, Schleswig-Holstein und Sachsen. In allen Bundesländern gelingt es Männern seltener als Frauen, eine vollqualifizierende Ausbildung aufzunehmen. Der Anteil der Männer im Übergangssystem liegt zwischen 5 (Rheinland-Pfalz) und 15 Prozentpunkte (Bayern) höher als der der Frauen. Mit der Verstärkung der Chancenungleichheit zwischen ausländischen und deutschen Jugendlichen sowie zwischen den Geschlechtern droht eine alte Problemkonstellation an Brisanz zu gewinnen: die Perspektivlosigkeit junger ausländischer Männer.

Ausbildungsangebot

Im Vergleich zur Gesamtzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten gibt es immer weniger Auszubildende. Das ist ablesbar an der Ausbildungsquote, die anzeigt, wieviel Auszubildende auf je 100 Beschäftigte kommen. Bundesweit ist die Quote von 6,4 Prozent im Jahr 2006 auf 5,1 Prozent im Jahr 2015 gesunken. In dem genannten Zeitraum ist die Zahl der Beschäftigten gewachsen und die der Auszubildenden gesunken. Besonders drastisch ist die Entwicklung in den östlichen Bundesländern. Dennoch haben sich die Chancen für Ausbildungsbewerber bundesweit verbessert. Kamen in Deutschland 2007 nur 85 Ausbildungsplätze auf 100 Bewerber, sind es 2016 bereits 94. Trotzdem kann noch nicht von einer ausgeglichenen Situation auf dem Ausbildungsmarkt gesprochen werden. Zusätzlich haben sich die Passungsprobleme erhöht. Nicht alle Bewerber können einen Ausbildungsplatz bekommen. Auch nicht alle Betriebe können ihre Stellen besetzen. Aus Sicht der Jugendlichen haben die Ungleichgewichte zwischen 2007 und 2016 abgenommen. Der Anteil der unversorgten Bewerber ist in diesem Zeitraum in allen Bundesländern gesunken, mit Ausnahme des Saarlands, Hamburgs und Schleswig-Holsteins.

Ausbildungsverlauf

Betriebe und Auszubildenden haben ein gemeinsames Interesse an einem erfolgreichen Abschluss der Ausbildung. Allerdings wird mittlerweile jeder vierte Vertrag in der dualen Ausbildung vorzeitig gelöst. Eine Vertragslösung kann vielfältige Gründe haben und bedeutet nicht, dass die Ausbildung abgebrochen wird. Seit 2010 ist die Vertragslösungsquote geringfügig gestiegen, dabei zeigt sich im Ländervergleich ein Ost-West-Gefälle: Während Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt sowie Thüringen Vertragslösungsquoten oberhalb von 30 Prozent aufweisen, erzielen Bayern, Baden-Württemberg sowie Hessen die niedrigsten Quoten. Die Absolventenquote gibt Auskunft darüber, wie viele Auszubildende, die drei Jahre zuvor eine Ausbildung begonnen haben, einen Berufsabschluss erwerben. Mit einer hohen Vertragslösungsquote fällt auch die Absolventenquote. Sowohl in der dualen Ausbildung als auch im Schulberufssystem gehen Absolventenquoten zwischen 2008 und 2015 bundesweit zurück: Im dualen System sinkt die Absolventenquote um 6 Prozentpunkte (von 86 auf 80 Prozent), im Schulberufssystem um 7 Prozentpunkte (von 76 auf 69 Prozent).

Umfangreiche Infos zum Ländermonitor berufliche Bildung gibt es auf der Seite der Bertelsmann Stiftung.

Eine Zusammenfassung der Ergebnisse auf 26 Seiten liest man hier.

Quelle: Bertelsmann Stiftung

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