Straßenkinder und-jugendliche aus ganz Deutschland haben bei der 4. Bundeskonferenz der Straßenkinder die Einführung eines bundesweiten Housing First-Programms gefordert. Damit solle Obdachlosigkeit von Kindern und Jugendlichen verhindert werden, sagte der Vorsitzende des Vereins Karuna, Jörg Richert, am Rande der vierten Bundeskonferenz der Straßenkinder. Beim Housing First erhalten von Obdachlosigkeit bedrohte Menschen zunächst ohne Bedingungen eine Wohnung. Über weitere soziale Hilfen entscheiden die Betroffenen danach selbst. Bundesfamilienministerin Giffey hat sich dafür ausgesprochen, das Kinder- und Jugendhilferecht zu modernisieren. Das Gesetz müsse stärker an die Bedürfnisse der Betroffenen angepasst werden, sagte die SPD-Politikerin auf der 4. Bundeskonferenz der Straßenkinder in Berlin. Sie rief die Teilnehmer/-innen auf, dazu selbst Vorschläge zu machen.

Bundesprogramm soll Soforthilfe leisten

Rund 100 Straßenkinder und -jugendliche aus dem gesamten Bundesgebiet hatten in Berlin getroffen. Die Jugendlichen aus Notschlafstellen diskutierten, was sie selbst zur Verbesserung ihrer Lage beitragen können. Da angesichts des angespannten Wohnungsmarkts eine rasche flächendeckende Einführung eines Housing First-Programms schwierig sei, forderten die Konferenzteilnehmer eine Übergangslösung. So solle ein Bundesprogramm für fünf Jahre sogenannte Tiny Houses, also sehr kleine Häuser, für obdachlose Kinder und Jugendliche fördern. Tiny Houses könnten etwa in Kleingartenanlagen oder auf Kirchengeländen errichtet werden, hieß es. Erste positive Beispiele dafür gibt es in Köln, Hamburg, Bonn, Frankfurt am Main, Hamm, Nürnberg und Bernau bei Berlin. Das Team von Little Home, ein immer größer werdendes Netzwerk mit freiwilligen Helfen konnten bereits 61 Mini-Häuser fertigstellen und verschenken. Und sie wollen in weitere Städte wie ,Hannover, Leipzig und München expandieren.

Die Reform der Kinder- und Jugendhilfe mitgestalten

André Neupert vom Karuna e. V. betonte den “Jugendsozialarbeit News” gegenüber, wie wichtig es für die Interessenvertretung wohnungsloser Jugendlicher sein, den SGB VIII-Reformprozess mitgestalten zu können. Dabei sollen auch strukturelle Probleme zur Sprache kommen, wie der Personalmangel in den Jugendämtern oder eine fehlende bundesweite Wohnungslosenstatistik. Junge wohnungslose Menschen bräuchten schnell und unbürokratisch Hilfe, ob in einer Wohngruppe oder einer Einzelwohnung. Wird eine solche Hilfe zu spät gewährt, kann sich die Situation mit dem Lebensmittelpunkt Straße schnell verfestigen. Daher wollen die Straßenkinder und -jugendlichen, dass das Housing First-Prinzip in das neue Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII) aufgenommen wird.

In Deutschland haben schätzungsweise 37.000 junge Menschen ihren Lebensmittelpunkt auf der Straße und gelten als wohnungs- oder obdachlos.

Quelle: epd; Karuna; BMFSFJ