Das Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen veröffentlicht regelmäßig eine „Grafik des Monats“. Im März haben die Arbeitsmarktforscher Empfängerzahlen und –quoten von Geldleistungen der Grundsicherung ausgewertet. Dabei kommen Sie zu dem Ergebnis:

Die Gesellschaft ist durch eine anhaltende soziale Spaltung charakterisiert. Trotz guter Konjunktur, steigender Beschäftigungs- und rückläufiger Arbeitslosenzahlen sowie Überschüsse in den öffentlichen Haushalten verfügen nahezu 10 % der Bevölkerung über ein nur so niedriges Einkommen, dass sie Leistungen der Grundsicherung in Anspruch nehmen müssen. Die staatlichen Leistungen der Grundsicherung (Regelbedarfe) sind dabei so niedrig angesetzt, dass immer mehr Menschen auf die zivilgesellschaftlichen Hilfen der Tafeln zurückgreifen müssen, deren Volumina aber begrenzt sind.

Wiederanstieg der Empfängerzahlen und Empfängerquoten seit 2013

Im Jahr 2016 mussten rund 7,9 Mio. Personen, das sind 9,5 % der Gesamtbevölkerung in Deutschland, Geldleistungen der Grundsicherung/Mindestsicherung in Anspruch nehmen: Bei etwa jedem 10. Einwohner lag demnach das Einkommen – dazu zählen das Erwerbseinkommen und/oder Sozialeinkommen sowie private Unterhaltsleistungen – noch unterhalb des sozialkulturellen Existenzminimums und wurde aufgestockt.

Bei der Betrachtung der Armutsrisikoquoten zeigt sich, dass Personen ohne deutsche Staatsbürgerschaft mit 35,5 % (2016) ein außerordentlich hohes Armutsrisiko aufweisen. Die Quote liegt knapp dreimal so hoch wie die Quote der deutschen Bevölkerung. Auch wenn nach dem Migrationshintergrund gefragt wird, zeigt sich eine große Betroffenheit. Allerdings liegen die Armutsrisikoquoten der Bevölkerung mit Migrationshintergrund mit 28 % (2016) deutlich niedriger als die der ausländischen Bevölkerung.

Die Ergebnisse der Auswertung kurz gefasst:

  • Der bundesdeutsche Durchschnittswert von knapp 10 % der Bevölkerung verdeckt, dass es in vielen Regionen und Städten Deutschlands noch weit höhere Betroffenheiten von Grundsicherungsabhängigkeit und Armutslagen gibt. Dies gilt vor allem für Städte im Ruhrgebiet, an der Küste und in den neuen Bundesländern.
  • Die weitaus größte Bedeutung bei den Grundsicherungsleistungen hat die Grundsicherung für Arbeitsuchende nach dem SGB II mit ihren Elementen Arbeitslosengeld II und Sozialgeld. Die bundesdurchschnittliche Empfängerquote von Leistungen nach dem SGB II – bezogen auf die Bevölkerung bis zu 65 Jahren – lag 2017 bei 9,3 %.
  • Die Empfängerquote der Grundsicherung in Prozent der Gesamtbevölkerung zeigt sich zwischen 2006 und 2012 lediglich leicht rückläufig. Da im gleichen Zeitraum die Zahl der Arbeitslosen deutlich zurückgegangen ist, muss diese Entwicklung der Grundsicherungsquote überraschen. Dies macht deutlich, dass ein wachsender Kreis der Empfänger von Leistungen nach dem SGB II nicht arbeitslos ist.
  • Seit 2013 ist ein Wiederanstieg sowohl der Empfängerzahlen als auch der Empfängerquoten von Grundsicherungsleistungen zu verzeichnen. Dies geht zurück auf den starken Zuwachs der Empfängerinnen und Empfänger von Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz im Zuge der Zuwanderung von Flüchtlingen. Im Jahr 2016 haben etwa 728.000 Personen Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten.

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Quelle: Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen