Nicht-Teilhabe ist Verschwendung von Ressourcen

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Lieber Leserinnen und Leser,

Alina hatte es in der Schule nicht leicht. Obwohl sie sich viel Mühe gab, schaffte sie nur einen mäßigen Hauptschulabschluss. Das letzte Schuljahr musste sie wiederholen. Ihre Erfahrungen, den Anforderungen an Sie nicht genügen zu können, gruben sich in ihr Selbstbild und ihr Selbstwertgefühl. Wie soll es weiter gehen nach der Schule? Wie soll die Zukunft aussehen? Diese Fragen stellte sie mit einer gewissen Hoffnungslosigkeit, auch aufgrund ihres angeknacksten Selbstwertgefühls. Sie begann eine Ausbildung als Kauffrau im Einzelhandel. Die Arbeit machte ihr Spaß, aber die Berufsschule war ihr ein Gräuel. Ihre Erfahrungen, den Anforderungen nicht genügen zu können, wiederholten sich. Damit waren auch hohe emotionale Belastungen verbunden. Sie fasste den Entschluss, die Ausbildung abzubrechen. Doch letztlich tat sie dies nicht. Sie erhielt die Möglichkeit einer ausbildungsbegleitenden Hilfe und ließ sich überzeugen, diese in Anspruch zu nehmen. Alina konnte die Ausbildung erfolgreich abschließen. Es war für sie kein leichter Weg. Aber erstmals hatte sie Lehrer*innen und Sozialpädag*innen der Jugendberufshilfe an ihrer Seite, die etwas von Lernblockaden, Lernunterstützung, psychosozialer Entlastung und Ermutigung verstehen. Alina ist stolz, den Ausbildungsabschluss geschafft zu haben. Nun hat sie einen sozialen Status. Ihr Selbstbild und Selbstwertgefühl haben sich spür- und sichtbar gewandelt und die Zukunft steht offen.

Das Beispiel von Alina zeigt die verschiedenen Dimensionen der Teilhabe und wie es gelingen kann, exkludierenden und persönlichkeitsschädigenden Mechanismen in unseren Regelsystemen etwas entgegen zu setzen. Dies hat nicht nur Bedeutung für die individuelle Teilhabe eines jeden einzelnen jungen Menschen, sondern auch volkswirtschaftliche Relevanz. Nicht-Teilhabe ist Verschwendung von Ressourcen und führt zu nicht unerheblichen monetären Belastungen des Sozialsystems. Dies alles haben wir in der Jugendsozialarbeit im Blick mit der Forderung nach einer Ausbildungsgarantie. Insbesondere jetzt in der Coronakrise, wo für junge Menschen Angebote der Berufsorientierung ausfielen, Zugänge zur Berufsberatung auf „off“ gestellt waren, Betriebspraktika nicht angeboten wurden und die Besetzung von Ausbildungsstellen schleppend anlief, besteht vor allem für junge Menschen wie Alina Nachholbedarf.

Herzliche Grüße

Ihre

Marion Paar (stv. Vorsitzende der BAG KJS)

Quelle: BAG KJS

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