Neue Studie veröffentlicht: Schulsozialarbeit im bundesweiten Vergleich (SibV)

Die Ergebnisse der Studie „Schulsozialarbeit im bundesweiten Vergleich“ (SibV) von Lars Bieringer und Nachwuchsprofessor Dr. Sebastian Rahn (htw saar) wurden am 23. Januar 2026 beim Fachforum Schulsozialarbeit in der Robert-Bosch-Stiftung in Berlin vorgestellt. Vertreter*innen aus Praxis, Wissenschaft, Politik und Verbänden diskutierten zentrale Befunde und deren Bedeutung für die Weiterentwicklung der Schulsozialarbeit. Für den Kooperationsverbund Schulsozialarbeit ordneten Claudia Seibold (BAG EJSA), Prof. Dr. Angelika Iser (Hochschule München) und Julia Schad-Heim (IN VIA Deutschland im Netzwerk der BAG KJS) die Ergebnisse in einer Kommentierung fachlich ein.

Bedeutung der SibV-Studie

Angesichts der unterschiedlichen landesrechtlichen Regelungen, Organisationsformen und Finanzierungsmodelle ist eine bundesweite Vergleichsstudie eine große fachliche Leistung. Sie liefert erstmals vergleichbare Daten zur Förderung und Verbreitung von Schulsozialarbeit, zu Qualitätsstandards, Rahmenbedingungen, Finanzierung und rechtlicher Verankerung in allen Bundesländern.

Die Studie verdeutlicht sowohl die gestiegene Bedeutung als auch die hohe Komplexität des Handlungsfeldes. Teils geringe Rückläufe in einzelnen Bundesländern schränken die Aussagekraft ein, dennoch bietet die Studie eine tragfähige Basis für fachliche und fachpolitische Weiterentwicklungen.

Qualitätsverständnis von Schulsozialarbeit

Die Studie zeigt, wie notwendig eine klare fachliche Abgrenzung ist, d. h. die Frage was Schulsozialarbeit im engeren Sinne eigentlich ist. So wurden nämlich auch Angebote erfasst, die nach fachlicher Einschätzung des Kooperationsverbundes nicht zur Schulsozialarbeit zählen. Ein zentrales Qualitätsmerkmal von Schulsozialarbeit besteht darin, dass Fachkräfte unabhängig vom Unterricht und Selektionsauftrag der Schule arbeiten. Sie sind somit keine Assistenzkräfte für Lehrer*innen o. ä. Diese Förderprogramme wären gesondert zu betrachten. Die besondere Wirksamkeit von Schulsozialarbeit entsteht, weil sie als „andere Erwachsene“ am Lern- und Lebensort Schule das Wohl junger Menschen im Sinne der UN-Kinderrechtskonvention in den Mittelpunkt stellen.

Hier zeigt sich auch eine Schwäche des § 13a SGB VIII, der Schulsozialarbeit bislang nicht fachlich konkretisiert. Die Studie unterstreicht daher den Bedarf, fachliche Standards und Rahmenbedingungen bundesweit abzusichern.

Bedarfe junger Menschen

Die Studie zeigt zudem Entwicklungsbedarfe in der Praxis, etwa im Umgang mit digitalen Lebenswelten, diskriminierungskritischer Arbeit, Sozialraumbezügen und in der systematischen Beteiligung junger Menschen.

Zugleich geraten offene und präventive Angebote durch einen Überhang an Beratungsbedarfen in den Hintergrund. Schulsozialarbeit droht zur Krisenanlaufstelle zu werden – eine Entwicklung, die der Kooperationsverbund Schulsozialarbeit kritisch sieht. Präventives und früh-intervenierendes Arbeiten muss Vorrang haben; für psychische Belastungen braucht es ausreichende ergänzende Angebote im Sozialraum.

Weiterer Forschungsbedarf

Die Stärke der SibV-Studie liegt im bundesweiten Vergleich von Organisationsstrukturen, Angeboten und Rahmenbedingungen. Sie bildet vor allem die Perspektive der Fachkräfte ab. Für zukünftige Erhebungen sollte die Sicht von Kindern, Jugendlichen und Familien stärker berücksichtigt werden. Der Kooperationsverbund fordert daher, Kinder und Jugendliche konsequent in den Fokus zu rücken und auch den § 13a SGB VIII entsprechend fachlich zu sichern. Zusätzlich versprechen Trägerbefragungen aufschlussreiche Ergebnisse.

Hinweis zum Bundeskongress Schulsozialarbeit

Im Rahmen des Bundeskongress Schulsozialarbeit am 5. und 6. März 2026 in Hildesheim werden die Ergebnisse der Studie weiter diskutiert und wichtige Impulse für die zukünftige Entwicklung des Handlungsfeldes gesetzt.

Über den Kooperationsverbund Schulsozialarbeit

Der Kooperationsverbund Schulsozialarbeit wurde 2001 gegründet und setzt sich für die fachliche Weiterentwicklung der Schulsozialarbeit ein. Ziel ist die bundesweite Vernetzung von Wissenschaft, Verbänden und Praxis sowie die Förderung fachlicher Diskurse, v. a. durch Veranstaltungen und Publikationen.

 

Autorinnen: Julia Schad-Heim (Referentin bei IN VIA Deutschland im Netzwerk der BAG KJS), Claudia Seibold (BAG EJSA) und Angelika Iser (Hochschule München)

Bild: Sitha Reis, pictocorder

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