Durch die Schließung von Kitas, Schulen, Ganztagsbetreuung und Kinder- und Jugendeinrichtungen sind für junge Menschen seit Mitte März 2020 existentielle Strukturen weggebrochen. Diese betreffen Bildung, Betreuung, gesellschaftliche Teilhabe und auch Ernährung. Die schrittweise Öffnung von Schulen, Kitas, Kinder-/Jugendeinrichtungen, kann über die tiefen Einschnitte für Kinder und Jugendliche in Armut nicht hinwegtäuschen. Frühstück oder Mittagessen fällt auch während der Präsenztage noch weg. Familien, die in Armut leben, können den Wegfall der Ernährungsleistung nicht aus dem Hartz IV-Regelsatz bestreiten. Und vielerorts hatten die Tafeln geschlossen und fahren erst langsam ihr Angebot wieder hoch. Hier setzt das Projekt „D-Hof für Zuhause – Kocht das Beste draus!“ des Kinder- und Jugendzentrums im im Aachener Stadtteil Driescher Hof an. In diesem Stadtteil liegt die Kinderarmutsqoute bei 43%. Seit Jahren legt der D-Hof einen Schwerpunkt auf Gesundheitsförderung; dazu zählen tägliche Kochkurse und ein gemeinsames Abendbrot in der offenen Tür. Normalerweise zumindest. Denn die Coronabeschränkungen haben auch diese Hilfen zum Erliegen gebracht. Mit „D-Hof für Zuhause“ hilft man Kindern und Jugendlichen, auch Zuhause täglich eine gesunde Mahlzeit zuzubereiten und in Kontakt zu bleiben. Zwischenzeitlich hat die Einrichtung über ihr Projekt einen Film gedreht, den es auf YouTube zu sehen gibt.

Mit „Kochtüten“ praktische Hilfe leisten und in Verbindung bleiben

Seit dem 20. April 2020 können sich Kinder und Jugendliche um 11:00 Uhr im Garten der Offenen Tür „Kochtüten“ abholen kommen. Diese enthalten gesunde vegetarische Rezepte, die kindgerecht von den pädagogischen Mitarbeiterinnen aufbereitet wurden die erforderlichen Zutaten. Die Rezepte werden täglich über Social Media veröffentlicht. Die Zubereitung der Mahlzeiten erfolgt dann Zuhause in den Familien, die eingeladen sind, Fotos oder Rezeptvariationen über Facebook/ Instagram zu teilen. Aus diesen Photos werden Photocollagen erstellt, die wiederum am nächsten Tag via Social Media veröffentlicht werden. Schrittweise werden weitere partizipative Elemente integriert. An verschiedenen Tagen leitet eine Ökotrophologin und Mitarbeiterin des D-Hofs im Rahmen eines Kochkurses über den Live Chat bei Instagram die Kinder und Jugendlichen bei der Zubereitung des Tages-Rezeptes an.

Täglich werden bis zu 80 Kochtüten ausgegeben. Verbunden damit ist immer Zeit für ein Gespräch im Garten – natürlich unter Wahrung des Abstandes. Daraus ergeben sich z.T. Beratungsbedarfe, die entweder weitervermittelt werden oder für die eine Lösung vor Ort gefunden wird.

Die Kochtüten sorgen für sinnvolle Beschäftigung, vermitteln Kompetenzen und bringen die verschiedenen Familienmitglieder miteinander ins Gespräch. Die Familien melden täglich zurück, wie wichtig dieses Angebot ist. So bleibt man in Kontakt und niemand geht verloren.

Quelle: D-Hof