Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung legt Untersuchung zu Einkommensunterschieden vor: Substanzielle Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern bestehen trotz fortschreitender Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt und vielfältiger Bemühungen um den Abbau von Einkommensungleichheiten fort. Die Ergebnisse der Untersuchung belegen, dass bereits bei den Berufsanfängerinnen und Berufsanfängern ein deutlicher Einkommensrückstand der Frauen gegenüber den Männern besteht, der sich dann in den folgenden Berufsjahren vergrößert. Bei Berufsanfängerinnen und Berufsanfängern ist der „gender pay gap“ (GPG) am nied-rigsten und steigt dann mit den Berufsjahren: Frauen mit einer Berufserfahrung von bis zu 3 Jahren verdienen 18,7 % weniger als ihre männlichen Kollegen. Im Westen fällt der GPG höher aus als im Osten. Dort geht er – anders als im Westen – mit wachsender Zahl der Berufsjahre zurück. In den Wirtschaftssektoren variiert der GPG bei Berufsanfängerinnen und Berufsanfänger zwischen 4,9 % (Energie/Wasser) und 21,2 % (Kredit/Versicherungsgewerbe). Nach Berufsgruppen zeigen sich deutliche Unterschiede des GPG bei Berufsanfängerinnen und Berufsanfängern. Er reicht von unter 10 % in EDV-IT-Berufen bis zu 20 % und mehr z. B. in den Berufen der Nahrungsmittelverarbeitung. Bei Berufsanfängerinnen und Berufsanfängern mit Hauptschulabschluss ist der GPG doppelt so groß wie bei Realschulabsolventen. Einflussfaktoren wie personenbezogene Daten, betriebsbezogene Daten, funktionale Faktoren oder regionale Faktoren erklären rund 60 % der Lohndifferenz zwischen Frauen und Männern, d. h. 40 % bleiben unerklärt. Bei den Berufsanfängerinnen und Berufsanfängern erklären diese Faktoren knapp 57 % der Differenz. Insgesamt bestätigt die Erhebung, dass Frauen bereits in den ersten Berufsjahren finanziell gegenüber Männern benachteiligt werden. Dieser geschlechtsspezifische Einkommensrückstand lässt sich vollständig weder durch unterschiedliche Bildungsvoraussetzungen noch durch eine spezifische Berufswahl erklären. Die Ergebnisse verweisen vielmehr auf das Fortbestehen geschlechtsspezifischer Lohndiskriminierung.