Auswirkungen der Coronapandemie auf Kinder und Jugendliche

Abgesperrte Spielplätze und Skateranlange, geschlossene Kitas und Schulen – die Maßnahmen in der Coronapandemie trafen Kinder und Jugendliche besonders hart. Dabei sind gerade sie auf Kontakte mit Gleichaltrigen angewiesen, um ihr Sozialverhalten und ihre Identität zu entwickeln und sich zu verselbstständigen.

Psychische Erkrankungen sind Hauptgrund für stationäre Aufenthalte

Welche Folgen die Lockdowns für Kinder und Jugendliche bereits konkret hatten und immer noch haben, belegen Studien wie bspw. Die COPSY-Studie zu ihrer (psychischen) Gesundheit. Kürzlich veröffentlichte Zahlen des Statistischen Bundesamtes verweisen darauf, dass psychische Erkrankungen – besonders Depressionen – seit der Pandemie der Hauptgrund für stationäre Behandlungen bei 15- bis 24-Jährigen (2020), 10- bis 17-Jährigen (2021) und 10- bis 19-Jährigen (2023) waren.

Psychisches Wohlbefinden nach wie vor schlechter als vor der Pandemie

Die COPSY-Studie des Universitätsklinikums Hamburg untermauert ebenfalls den negativen Einfluss der strikten Corona-Maßnahmen auf das seelische Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen. Seit Mai 2020 wurden in sieben Runden 11- bis 17-Jährige sowie Eltern von 7- bis 17-Jährigen zum Umgang der Kinder mit der Krisensituation befragt. Die Fragen bezogen sich auch auf die Bereiche Schule, Freund*innen und Familie, psychische Probleme wie Ängste und Depressionen und multiple Gesundheitsbeschwerden.

Die neuesten Ergebnisse der Befragungen stammen aus dem Herbst 2024. Zu diesem Zeitpunkt gab ein Fünftel (21 %) der Befragten an, dass ihre Lebensqualität gesunken sei. 22 Prozent berichteten von psychischen Auffälligkeiten, 23 Prozent von Angstsymptomen. Die Zahlen waren nach dem Ende der Corona-Krise im Frühjahr 2023 zunächst leicht gesunken. Doch der Beginn des Nahostkrieges im Herbst des gleichen Jahres hatte wieder für einen Anstieg gesorgt. Der erhoffte Rückgang in Richtung Vor-Pandemie-Niveau hat sich damit nicht fortgesetzt. Damals gaben 15 Prozent der Jugendlichen an, eine geminderte gesundheitsbezogenen Lebensqualität zu empfinden.

Kinderärzte fordern, Kinderrechte zu stärken

Doch welche Konsequenzen sollten aus diesen mittlerweile vielfach belegten Erkenntnissen gezogen werden? Burkhard Rodeck, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, sagt dazu in einem Interview mit dem Evangelischen Pressedienst, man solle lernen, dass Kinder und Jugendliche eigene Rechte und auch ein eigenes Recht auf Betrachtung der Folgen hätten. Des Weiteren beklagt er die einseitige Sichtweise durch Virolog*innen, die seiner Meinung nach, zu wenig die Patient*innen im Blick hätten. Rodeck fordert außerdem, das psychotherapeutische Angebot für Kinder und Jugendliche auszubauen, um denen durch multiple Krisen verursachten psychischen Problemen professionell zu begegnen.

 

Autorin: Sandra Gärtner

 

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