Armutsrisiko: Die Pandemie öffnet die Schere zwischen arm und reich weiter

Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung legte seinen neuen Verteilungsbericht vor. Demnach wird der Abstand zwischen hohen und niedrigen Einkommen in Deutschland weiter wachsen. Daran ist die Pandemie nicht unschuldig. Erwerbspersonen mit schon vorher niedrigen Einkommen sind im bisherigen Verlauf der Corona-Krise fast doppelt so häufig von Einbußen betroffen wie Menschen mit hohen Einkommen – und sie haben zudem relativ am stärksten an Einkommen verloren. Damit setzt sich nicht nur ein Freund fest, er verschärft sich sogar: Die 20 Prozent der Haushalte mit den geringsten Einkünften blieben von einer insgesamt recht positiven Einkommensentwicklung weitgehend abgekoppelt. Konkret haben durchschnittlich 32 Prozent der mehr als 6.300 befragten Erwerbstätigen und Arbeitssuchenden zwischen April und Juni dieses Jahres Einkommenseinbußen hinnehmen müssen. In den Gruppen mit Haushaltseinkommen unter 1.500 Euro netto monatlich liege der Anteil deutlich über 40 Prozent, bei Befragten mit über 4.500 Euro netto lediglich bei 26 Prozent. Von den Verlusten seien neben Selbstständigen vor allem prekär Beschäftigte wie Leiharbeiter oder Minijobber besonders oft betroffen, hieß es in dem Bericht. Als wichtige Gründe für spürbare Einkommenseinbußen identifizierten die WSI-Forscher*innen wegbrechende Umsätze bei Selbstständigen, Verlust von Arbeitsplätzen und Kurzarbeit. Insbesondere in Unternehmen ohne Tarifbindung mussten Beschäftigte auf eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes verzichten.

Quelle: epd; Hans-Böckler-Stiftung

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