Auszüge aus dem Aufruf Armut von Frauen in Deutschland nicht länger hinnehmen.:
” (…) Armut in Deutschland ist vor allem weiblich: Die durchschnittliche Armutsgefährdungsquote von Frauen ist in Deutschland höher als die von Männern (16,3% gegenüber 15,1%). (…) Am deutlichsten zeigt sich der Unterschied bei der Armutsrisikoquote von Alleinerziehenden: 43,8% der Alleinerziehenden gelten als arm oder von Armut bedroht. Und: Alleinerziehende sind zu über 90% Frauen. Frau
zu sein beinhaltet ein großes Armutsrisiko. Die Gründe hierfür sind vielfältig:

Frauen sind arm, weil sie häufiger unbezahlte Carearbeit leisten als Männer, genaugenommen 52,4% mehr: in der Regel sind sie es, die Kinder versorgen und Angehörige pflegen (müssen).

Frau sind arm, weil sie eher in prekären Arbeitsverhältnissen beschäftigt sind und viel weniger verdienen als Männer.

Frau sind arm, wenn sie nicht in einer traditionellen Familienform mit Mutter, Vater, Kind leben. Geschiedene und alleinlebende Mütter sind meist stärker von Armut betroffen als Mütter, die mit dem Vater des Kindes zusammenleben.

All das ist Politikerinnen und Politikern auf allen Ebenen schon lange bekannt. Wir fordern: Die Armut von Frauen in Deutschland dürfen sie nicht länger hinnehmen.

Für eine wirksame Bekämpfung von Frauenarmut fordern wir: ## die monetäre Aufwertung frauendominierter Berufe
## die Schließung des Gender-Pay-Gap
## die Eindämmung von prekärer Beschäftigung und Schaffung sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung
## die Schaffung von existenzsichernden Mindeslöhnen für alle
## Verbesserung des Familienlastenausgleichs im Steuer-, Sozial- und Familienrecht: u.a. durch Einführung einer neuen bedarfsdeckenden einheitlichen Geldleistung für alle Kinder; Ehegattensplitting sollte durch eine Individualbesteuerung mit einem übertragbaren Grundfeibetrag ersetzt werden.
## flächendeckender Ausbau qualitativ hochwertiger Kita- und Hortplätze
## die Erhöhung der Regelsätze zu einem echten menschenwürdigen Existenzminimums
## einen individuellen Rechtsanspruch auf Schutz und Hilfe bei häuslicher Gewalt
## flächendeckende, geschlechtersensible Beratungsangebote
## eine stärkere Berücksichtigung von Betreuungs- und Pflegezeiten bei der Bemessung der Rente
Was es darüber hinaus braucht, ist ein Umdenken in den Köpfen der Menschen. Kinderversorgung, Hausarbeit und die Pflege von Angehörigen ist keinesfalls Frauensache. Eine partnerschaftliche Aufteilung der Haus- und Fürsorgearbeit ist dringend notwendig für eine gleichberechtigte Teilhabe am Arbeitsmarkt von Frauen – und damit im Kampf gegen Frauenarmut. (…)

Es darf nicht länger sein, dass die Hälfte der Bevölkerung schlechtere Chancen hat, sich selbst zu versorgen und in Würde zu leben, weil sie weiblich ist. Wir fordern eine gleichberechtigte Teilhabe an Gesellschaft und am Arbeitsmarkt für Frauen.”

Armutsrisiko Geschlecht
Die neue Broschüre „Armutsrisiko Geschlecht – Armutslagen von Frauen in Deutschland“ der Nationalen Armutskonferenz (nak) zeigt, wie sehr Armut die verschiedenen Lebenslagen von Frauen beeinflusst, sie behindert, ihr Recht auf körperliche und finanzielle Selbstbestimmung beschneidet und teilweise in ihrer Würde verletzt. Die Autorinnen der Broschüre, (…), beschreiben verschiedene Armutslagen von Frauen in Deutschland und erheben Forderungen an Politik und Gesellschaft, um Frauenrechte zu stärken und das Armutsrisiko von Frauen allen Alters zu verringern.

Arm und ausgegrenzt sind insbesondere wohnungslose Frauen, deren Zahl ständig zunimmt. Die Anzahl ist schwer zu erheben, weil Frauen statt auf der Straße zu leben, eher versuchen in neuen Zweckbeziehungen Unterschlupf zu finden, was oft neue Probleme für die Frauen mit sich bringt.

Die 48-seitige Broschüre ist als pdf erhältlich und steht im Anhang als Download zur Verfügung.

Link: www.nationale-armutskonferenz.de

Quelle: SkF; Nationale Armutskonferenz

Dokumente: NAK_Armutsrisiko-Geschlecht.pdf