Aktuelle Förderinformationen – Jugendsozialarbeit & Europa (März 2026)

Im Folgenden eine Übersicht über die wichtigsten aktuellen Förderinformationen im Bereich Jugendsozialarbeit und Europa für März 2026, zusammengestellt vom Projektkoordinator Europa der Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS), Alexander Hauser.

ESF+ ab 2028: Tiefgreifender Umbau mit erheblichen Risiken

In einer Onlineveranstaltung im Januar 2026 des Kompetenzzentrums Europa der Caritas Baden-Württemberg zum künftigen Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) ab 2028 stellte Dr. Dragana von Kaphengst vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) den aktuellen Reformstand vor. Geplant ist eine Zusammenführung zahlreicher EU-Fonds in nationale und regionale Partnerschaftspläne (NRPPs) je Mitgliedstaat. Der ESF+ soll darin aufgehen – mit einer Mindestquote von 14 % für „Soziales“ statt einer eigenständigen Budgetlinie. Künftig soll stärker leistungs- statt kostenbasiert finanziert werden; ein einheitliches „Performance Framework“ soll alle Fonds steuern.

Positive Entwicklungen: Der Bund strebt eine Bündelung der Programme und die Beibehaltung der Regionalisierung an. Es würde also weiterhin einen „Länder-ESF“ geben; das BMAS soll voraussichtlich alleinige Verwaltungsbehörde für alle ESF+ Programme in Deutschland werden. Interventionssätze (40 %/60 %) bleiben vermutlich bestehen, allerdings ohne gesonderte höhere Fördersätze für besonders benachteiligte Zielgruppen oder soziale Innovation. Positiv bewertet werden mögliche Vereinfachungen durch stärkere Pauschalierung und weniger Einzelprogramme.

Offen ist insbesondere, wie realistische Output-Ziele bei innovativen oder experimentellen Maßnahmen definiert werden sollen, ohne Fehlanreize („Creaming“) zu erzeugen. Zentrale Frage für Träger ist zudem, wer das Risiko von Mittelkürzungen oder -rückforderungen trägt, wenn vereinbarte Leistungen nicht vollständig erreicht werden – Bund, Länder oder die Projektebene.

Größtes Risiko bleibt die Mittelausstattung: Im günstigsten Fall ist mit rund 20 % weniger ESF+-Mitteln zu rechnen, im ungünstigsten Szenario – auch inflationsbereinigt – mit bis zu 50 % weniger im Vergleich zur laufenden Förderperiode. Für die Jugendsozialarbeit bedeutet dies erhebliche Unsicherheiten hinsichtlich Umfang, Ausgestaltung und finanzieller Verantwortung ab 2028. Die bei der Veranstaltung gezeigte PowerPoint-Präsentation enthält eine Übersicht zum geplanten Umfang des künftigen Mehrjährigen Finanzrahmens (MFR) sowie zum vorgesehenen Zeitplan der EU-Verhandlungen.

 

Zukunft des Europäischen Sozialfonds: Interview mit BAGFW‑Vertreter Andreas Bartels

In einem Interview vom 30. Januar 2026 betont Andreas Bartels, zuständiger Referent für den Europäischen Sozialfonds (ESF) bei der Diakonie Deutschland, dass die Sozialverbände sich aktiv in die Debatte zur Zukunft des Europäischen Sozialfonds (ESF) einbringen müssen. Bartels vertritt die Interessen der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) im Begleitausschuss des ESF Plus. Der ESF müsse als eigenständiger Fonds erhalten bleiben, da er Innovationen ermögliche und besonders benachteiligte Zielgruppen erreiche – etwa Wohnungslose, ältere Menschen, Geringqualifizierte und Migrant*innen. Er stärke soziale Teilhabe und arbeitsmarktbezogene Kompetenzen und unterstütze eine sozial gerechte digitale und ökologische Transformation. Als Beispiel nennt Bartels „EhAP Plus“, das benachteiligte EU-Bürger*innen mit Beratung und Arbeitsmarktintegration unterstützt. Mit Blick auf den EU-Finanzrahmen 2028–2034 fordert die BAGFW zudem Verwaltungsvereinfachungen, mehr Digitalisierung, den Einsatz von Pauschalen sowie eine verlässliche finanzielle Ausstattung des ESF.

Quelle: DCV

 

AMIF – Stand zu den Förderaufrufen Dezember 2025 bis Ende der Förderphase 2027

Spezifische Ziele:

  • Ziel 1: 2025 keine offene Ausschreibung; nur Erstorientierungs- und Wegweiserkurse (15.12.2025). Antragsfrist beendet.
  • Ziel 2 (Integration): Bereits am 15.12.2025 um 30 % überplant; seit 16.12.2025 keine Antragstellung mehr möglich.
  • Ziel 3 (Rückkehr): Seit 09.02.2026 geschlossen (Mittel überplant).
  • Ziel 4 (Solidarität): Antragstellung weiterhin möglich.

 

Vorgehen der AMIF-Verwaltungsbehörde:

  • Max. zwei Beratungstermine und zwei Änderungsmöglichkeiten pro Antrag
  • Beteiligung der Bundesländer mit Projektbewertung
  • Finale formelle und inhaltliche Prüfung (inkl. Länderbewertung)
  • Erste Prüfungen sollen innerhalb von sechs Monaten abgeschlossen sein
  • Vorzeitiger Maßnahmenbeginn wird sehr restriktiv gehandhabt

 

Ausblick Förderperiode 2021–2027:

  • Voraussichtlich keine bzw. nur sehr geringe weitere Ausschreibungen, da Mittel ausgeschöpft/überplant sind.
  • Geringe Restmittel könnten durch Ablehnungen oder Prüfungen frei werden – Umfang unklar.

 

Quelle: DCV/AMIF Begleitausschuss

 

CERV: Aufruf Netzwerke von Städten – Frist 16. April 2026

Die Europäische Kommission hat im Rahmen des Programms „Bürgerinnen und Bürger, Gleichstellung, Rechte und Werte“ (CERV) einen Aufruf zum Thema „Netzwerke von Städten“ veröffentlicht. Die Einreichfrist endet am 16. April 2026. „Netzwerke von Städten“ geben Städten und Gemeinden die Möglichkeit, ihre Zusammenarbeit und Debatten zu vertiefen und zu intensivieren, nachhaltige Netzwerke zu entwickeln und ihre langfristige Vision für die Zukunft der europäischen Integration zu skizzieren. Gefördert werden soll der Austausch zwischen den Bürger*innen verschiedener Länder im Rahmen von kommunalen Netzwerken / Städtenetzwerken. Prioritäten sind:

  • Förderung des bürgerschaftlichen Engagements, der Teilhabe und der demokratischen Mitwirkung auf lokaler, nationaler und EU-Ebene;
  • Sensibilisierung für die Vorteile der Vielfalt, Bekämpfung von Diskriminierung, Rassismus und Ausgrenzung sowie Unterstützung der Teilhabe unterrepräsentierter Gruppen;
  • Unterstützung der aktiven Beteiligung der Bürger*innen, einschließlich Kinder, am öffentlichen Leben und Förderung der demokratischen Teilhabe
  • Gewalt, Hass und Polarisierung verhindern und das Bewusstsein dafür schärfen;
  • Förderung der demokratischen Beteiligung durch kulturelle Aktivitäten.

Für diesen Aufruf stehen 12 Mio. Euro zur Verfügung.

Weitere Informationen finden sich hier.

Quelle: DCV

 

EU-Aufruf Europäische Stadtinitiative zum Thema Obdachlosigkeit

Die Europäische Stadtinitiative (EUI) – Innovative Maßnahmen wird im Februar dieses Jahres ihre vierte Aufforderung zur Einreichung von Vorschlägen veröffentlichen. Der Aufruf läuft bis Juni 2026. Das Programm unterstützt Städte dabei, innovative Pilotlösungen für große städtische Herausforderungen zu testen, wobei die EU einen erheblichen Teil der Finanzierung übernimmt. Während Städte als Hauptantragsteller auftreten müssen, können NGOs als wichtige Projektpartner teilnehmen.

Das Programm bietet NGOs eine Möglichkeit, um
1). innovative Maßnahmen zur Bekämpfung der Obdachlosigkeit mitzugestalten und umzusetzen;
2). Fachwissen zu Housing First, Prävention, Outreach, integrierten Dienstleistungen usw. einzubringen;
3). durch finanzierte Pilotprojekte Einfluss auf die lokale Stadtpolitik nehmen.
Von den Projekten wird erwartet, dass sie neue oder angepasste Ansätze testen, innerhalb von zwei Jahren messbare Ergebnisse liefern und auf starken lokalen Partnerschaften aufbauen. Projekte können bis zu 2 Millionen Euro Budget umfassen, und maximal 2 Jahre laufen.

Weitere Informationen finden sich hier.

 

Aktion Mensch startet Förderaktion zum Europäischen Protesttag am 5. Mai 2026 – Frist 31. März

Angesichts aktueller gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen ruft Aktion Mensch dazu auf, rund um den Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung ein deutliches Zeichen zu setzen. Unter dem Motto „Menschenrechte sind nicht verhandelbar!“ unterstützt die Soziallotterie Aktionen, die auf Diskriminierung, Ausgrenzung und mangelnde Teilhabe aufmerksam machen – und gleichzeitig konstruktiv Lösungen aufzeigen.

Wichtige Eckpunkte der Förderaktion:

  • Aktionszeitraum: 2. – 10. Mai 2026
  • Antragstellung: 1. Dezember 2025 – 31. März 2026
  • Budget: 2 Mio. Euro
  • Förderung:
    • Honorare & Sachkosten bis 5.000 Euro
    • Gesamtkosten bis 15.000 Euro
    • Keine Eigenmittel erforderlich

 

Was wird gefördert? Aktionen, die auf strukturelle Diskriminierung aufmerksam machen – z. B. durch:

  • fehlende oder unzureichende Gesetzesumsetzung
  • mangelnde Barrierefreiheit
  • Diskriminierung im Alltag
  • fehlende Beteiligung bei politischen Prozessen
  • fehlende Sichtbarkeit und Repräsentation
  • kreative oder protestorientierte Aktionen – vor Ort oder digital

Über weitere Details informiert die Projektwebsite.

 

Quelle: Aktion Mensch

 

EU-Jugendkampagne #LassReden startet Bundesländertour in Halle

Am 23. Februar 2026 begann die EU‑Jugendkampagne #LassReden ihre Station in Halle (Saale). Auf der Messe „Chance“ konnten junge Menschen im mobilen Podcast-Studio über ihre Erwartungen an Europa sprechen. Die Kampagne richtet sich an 16‑ bis 24‑Jährige und sammelt bundesweit Fragen, Ideen und Kritik junger Menschen. Die Beiträge fließen in weitere Dialogformate ein, die die EU-Kommission im Laufe des Jahres aufgreifen will. Die Tour durch alle 16 Bundesländer folgt auf digitale Beteiligungsphasen seit dem Kampagnenstart im Dezember.

 

Erasmus+-Unterstützung für die Ukraine: Vier Jahre Solidarität und Aktion

Vier Jahre seit Beginn des russischen Angriffskriegs steht Erasmus+ weiterhin an der Seite der Ukraine, um die Kontinuität des Lernens zu gewährleisten und die Widerstandsfähigkeit ihres Bildungssystems zu unterstützen. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs wurden im Rahmen des Programms über 208 Mio. Euro mobilisiert, um die Bereiche allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport in der Ukraine und in ganz Europa zu unterstützen. Mehr als 52 000 Ukrainerinnen und Ukrainer haben an der Erasmus+-Mobilität teilgenommen, die es Studierenden und Bediensteten ermöglicht, ihr Studium oder ihre berufliche Tätigkeit fortzusetzen, akademische Verbindungen zu Europa aufrechtzuerhalten und sich auf die künftige Erholung der Ukraine und die Integration in die Europäische Union vorzubereiten.

Weitere Informationen finden sich hier.

Quelle: NaBiBB

 

ERASMUS+ – Antragsfristen 2026:

Leitaktion 1

  • Mobilität von Einzelpersonen im Bereich Jugend: 1. Oktober 2026, 12.00 Uhr
  • Erasmus-Akkreditierung im Bereich Jugend und berufliche Bildung: 29. September 2026, 12.00 Uhr

Leitaktion 2:

  • Partnerschaften im Bereich Jugend: Kooperationspartnerschaften und Kleine Partnerschaften (Small Scale Projects): 5. März 2026, 12.00 Uhr
  • Partnerschaften in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung, Kooperationspartnerschaften und Kleine Partnerschaften (Small Scale Projects) (inklusive Kita-Bereich): 5. März 2026, 12.00 Uhr

Zum Programmleitfaden Erasmus+ 2026 und den Antragsplattformen und zuständigen Nationalen Agenturen: ERASMUS+ JugendbereichERASMUS+ Berufliche Bildung und Programmleitfaden Erasmus+ 2026 (auf Deutsch)

 

ESK Europäisches Solidaritätskorps – Antragsfristen Freiwilligendienste 2026

Während des Freiwilligendienstes engagieren sich junge Erwachsene für eine befristete Zeit in einem gemeinnützigen Projekt im Ausland. Hier zeigt sich exemplarisch der Wert eines lebendigen und sozialen Europas. Freiwilligendienste bieten nicht nur die Möglichkeit, anderen zu helfen. Sie erweitern gleichzeitig die eigenen Kompetenzen und bieten einzigartige Erfahrungen.

Geplante Fristen:

  • Freiwilligenprojekte: 1. Oktober 2026 (fakultative Runde)
  • Solidaritätsprojekte: (fakultative Runde) 7. Mai 2026 / 1. Oktober 2026

Anträge auf Zuerkennung der Qualitätssiegel: 22. September 2026

Weitere Informationen zum ESK sowie zum Programmleitfaden 2026.

 

ESK Freiwilligen Teams

In Freiwilligenteams engagieren sich junge Menschen europaweit in einer Gruppe in gemeinnützigen Projekten und unterstützen den gesellschaftlichen Zusammenhalt Europas. Das Format richtet sich insbesondere an Jugendliche mit geringeren Chancen. Mehr Informationen zu den Freiwilligendiensten oder dem ESK Solidaritätsprojekten.

 

Links zu weiteren Förderinformationen zur internationalen Jugend(sozial)arbeit

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