Die Vorhabenplanung 2026 des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) liegt vor. Das Leitmotiv „Bessere Bildung – Starke Familien – Resiliente Demokratie“ sowie die benannten Prinzipien (kooperativer Föderalismus, Einbindung von Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Praxis, evidenzbasierte Politik) sind grundsätzlich anschlussfähig. Allerdings wird Bildung im Haus nun offenbar primär als schulische Bildung verstanden. Außerschulische Bildung sowie der Übergang von Schule in den Beruf kommen zu kurz. In der vorliegenden Präsentation taucht die Jugendsozialarbeit nicht auf. Gleichzeitig hören wir heute von steigenden Arbeitslosenzahlen; wir wissen seit Corona von psychisch belasteten jungen Menschen – und Jugendarmut sowie Wohnungsmangel verschlechtern die Chancen vieler junger Menschen weiter.
Die starke Betonung von Haushaltskonsolidierung, „gezielt und kohärent“, „effizientem Mitteleinsatz“ und der systematischen Überprüfung aller Förderrichtlinien birgt erhebliche Risiken. Jugendsozialarbeit (§ 13 SGB VIII) ist beziehungsorientiert und langfristig angelegt, sie wirkt auch präventiv. Jugendsozialarbeit lässt sich nicht allein an kurzfristigen Wirksamkeitsindikatoren und Effizienzlogiken messen. Genau diese Arbeit mit von Benachteiligung betroffenen jungen Menschen – in Armut, mit Zuwanderungsgeschichte, in Übergangskrisen oder mit psychischen Belastungen – droht unter der neuen Priorisierungslogik „aus der Mitte für die Mitte“ zu leiden.
Meine Forderung an die Bundesministerin und das Haus:
Machen Sie Jugendsozialarbeit zu einem klaren Schwerpunkt der Reform- und Förderpolitik. Beteiligen Sie die Träger der freien Jugendhilfe und die jungen Menschen selbst frühzeitig und ernsthaft. Setzen Sie auf die leistungsfähigen Strukturen und ihre nachhaltige Arbeit; und auf qualitative Wirkungsmessung – ergänzend zu quantitativen Indikatoren. Sorgen Sie dafür, dass Erkenntnisse aus der Praxis und aus Modellprojekten verbindlich in Regelsysteme integriert werden. Nur so wird aus dem Leitmotiv tatsächlich chancengerechte Politik für alle jungen Menschen – nicht nur für die Mitte.
Autor: Tom Urig



