Zwei Sozialpolitiker, ein Wissenschaftler und zwei Praktikerinnen der Jugendhilfe diskutierten darüber, wie sozial benachteiligte Jugendliche am besten zu fördern seien. (Foto: SMMP/Beer)

Unter dem Titel „Vergessen, chancenlos und unbequem  – Zukunftsperspektiven sozial benachteiligter Jugendlicher“ diskutierte die neue Jugendministerin Giffey – eingeladen von den Schwestern der hl. Maria Postel in der Marienschule in Münster – in hochrangiger Runde.

Armut hat ein junges Gesicht

Der Analyse von Christoph Butterwegge, der sehr deutlich aufzeigte, dass Armut in Deutschland ein junges Gesicht hat und warum die Politik zurzeit eher nur Reparaturen leistet, angesichts von strukturellen Ungerechtigkeiten und Defiziten, die sie selber zu verantworten hat, hielt die Ministerin entgegen, dass es nun darauf ankomme tatsächlich niemanden verloren zu geben. Insbesondere der Ausbau und die qualitative Absicherung der frühen Förderung in der Kita sollen dazu einen zentralen Beitrag leisten. Das Programm Jugend stärken wird zudem fortgesetzt und Jugendsozialarbeit an Schulen verstärkt.

Niedrigschwellige Hilfen und Zugänge

Um junge Menschen, die tatsächlich schon abgehängt sind, noch zu erreichen braucht es niedrigschwellige Hilfen und Zugänge, betonte Karl Schiewerling. Dies sei ihm, angesichts der Erfahrungen und auch Erfolge beim Manege Projekt unter der Leitung von Schwester Margareta Kühn in Berlin-Marzahn, klar geworden – und hierfür hat er sich in der letzten Legislaturperiode als Bundestagsabgeordneter stark gemacht, so dass es dafür nun einen neuen § 16 h im SGB II gibt mit denen solche Angebote für Menschen bis 25 Jahren in den Kommunen finanziert werden können. Durchaus kontrovers war allerdings die Einschätzung gerade dieses SGB IIs, dass als Harz IV synonym für das „Fördern“ und Fordern“ des neuen Sozialstaats steht. So wies Lisi Maier (BDKJ) insbesondere als Vorsitzende der BAG KJS sehr deutlich darauf hin, dass die Sanktionen im SGB II die jungen Menschen besonders scharf treffen und oft dazu führen, dass sie gar keine Unterstützung mehr erhalten.  Nachgewiesener Maßen haben diese Sanktionen wenig positiven Fördereffekt sondern führen dazu, dass junge Menschen regelrecht verloren gehen und entkoppelt werden.

Butterwegge spitzte die Diskussion weiter zu, als er anführte, die Familien und Jugendlichen seien eben nicht arm, weil sie nichts tun oder sich vernachlässigten sondern Armut führe genau dazu, dass man eben nichts mehr auf die Reihe bekommt.

Es geht nicht nur ums Geld

Weil es also nicht nur um Geld sondern auch um Befähigung und Beziehung geht, wenn junge Menschen erreicht und gefördert werden sollen, brauchen sie „Brücken“ und „Leitern“ aus ihren Abgründen, sei es als Fachkräfte in den Schulen und in der Jugendhilfe oder auch als Ehrenamtliche etwa in den Gemeinden. „In diesem Sinne brauchen wir eine Stärkung der Jugendsozialarbeit in den Kommunen, wie sie im § 13 SGB VIII in der Kinder- und Jugendhilfe als Förderung und umfassende Integrationshilfe junger Menschen bei ihrem Erwachsenwerden und auf dem Weg in den Beruf vorgesehen ist!“, fasst Lisi Maier die notwendigen Änderungen zusammen.

Quelle: BAG KJS

Bild: SMMP/ Beer