Bekommen junge Menschen tatsächlich bald eine Ausbildungsgarantie, so wie im Koalitionsvertrag der Bundesregierung gerade wieder beschrieben? Oder zeigt die Erfahrung nicht, dass eine Garantie eher wenig bringt, denn teilweise gibt es hierzu in den Bundesländern bereits Regelungen – etwa in NRW – ohne, dass es jungen Menschen wirklich weiter hilft? Einig waren sich beim Roundtable in Münster Marco Schmitz (MdL) und Norbert Wichmann (DGB NRW) mit der Jugendsozialarbeit, dass strukturelle Veränderungen genauso wichtig sind wie individuelle Unterstützung, wenn es gilt, möglichst vielen jungen Menschen eine duale Berufsausbildung zu ermöglichen. Eher skeptisch zu einer Ausbildungsgarantie äußerte sich Ludger Urbic (BDKJ), denn die Erfahrungen seien auch durch die letztlich unverbindlich gebliebene Jugendgarantie in Europa nicht wirklich positiv. „Für uns als Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS) e.V. geht es eher darum ein Recht auf Ausbildung zu verankern und dann auch konkret umzusetzen.“

Versprechen ohne Wirkung?

Tatsächlich ist festzustellen, dass die Bundesregierung bereits im Koalitionsvertrag zusichert, die Integration und Förderung junger Menschen zu verbessern. Allen jungen Menschen wird eine Ausbildung garantiert und passgenaue Hilfen beim Übergang in den Beruf in Aussicht gestellt, allerdings war beides auch in der letzten Legislaturperiode schon versprochen worden, ohne echte Wirkung. Und der aktuelle Berufsbildungsbericht 2018 unterstreicht den Handlungs- und Verbesserungsbedarf: 2,13 Millionen junge Erwachsene zwischen 20 und 34 Jahren haben in Deutschland keinen Berufsabschluss. Trotz guter Konjunktur ist der Anteil junger Menschen ohne formale berufliche Qualifikation damit von 13,4 % auf 14,3 % gestiegen, bei den jungen Erwachsenen ohne deutsche Staatsangehörigkeit bleiben langfristig sogar 33,6 % ohne Berufsabschluss. Unverändert hoch ist mit rund 290.000 die Zahl der jungen Menschen, die von der Schule in eine Maßnahme des Übergangsystems wechseln; bei denjenigen ohne deutschen Pass sind dies 54 %. Der Handlungsbedarf bei der Verbesserung der Begleitung, Förderung und Qualifikation der Jugendlichen am Übergang in den Beruf und während der dualen oder auch vollzeitschulischen Ausbildung zeigt sich auch bei den jungen Geflüchteten. Die Zahl der Ausbildungssuchenden hat sich im letzten Jahr deutlich auf 26.428 Personen mehr als verdoppelt, aber nur ein gutes Drittel der Geflüchteten konnten tatsächlich eine Berufsausbildung beginnen.

Ausbildung junger Menschen – Verbesserungen auf Landesebene

Auf dem Katholikentag in Münster haben BAG und die LAG KJS NRW dieses Thema aufgegriffen und mit einem besonderen Blick auf die Situation in Nordrhein-Westfalen mit dem Landtagsabgeordneten Marco Schmitz und dem Gewerkschaftsvertreter Norbert Wichmann diskutiert. Beide betonten, den deutlichen Handlungsbedarf, um die Ausbildungssituation in NRW zu verbessern. Weiterhin reicht in vielen Regionen und Branchen das Angebot nicht aus, genauso wie die Ausbildungsqualität. Allerdings sei da die Politik nicht sehr wirkmächtig. Beide betonten die Rolle der Wirtschaft und der Betriebe an dieser Stelle. Norbert Wichmann betonte, dass die Erfahrungen mit der Ausbildungsumlage zeigen, dass gerade die aktiven Ausbildungsbetriebe dadurch entlastet werden – insgesamt sei die Ausbildungsquote bei nunmehr unter 20 % viel zu niedrig. Auch sind zusätzliche Ausbildungsmöglichkeiten für Jugendliche mit Unterstützungsbedarf nötig, darauf hat sich die Landesregierung bereits verständigt: Marco Schmitz legt dar, dass mit Jugendberufshilfeträgern gemeinsam 1.000 zusätzliche Ausbildungsplätze geschaffen werden sollen. Außerdem gilt es, die Mobilität der Azubis zu unterstützen und in Richtung Azubiticket zu denken. Wichtig sei, hier waren sich die drei Diskutanten einig, dass Ausbildung möglichst betriebsnah erfolgt, denn zusätzliche schulische Maßnahmen sind gerade für junge Menschen mit schlechten Schulerfahrungen aus ihrer Sicht oft nicht so erfolgsversprechend.

Recht auf Ausbildung oder Ausbildungsgarantie?

Aus Sicht der Jugendsozialarbeit geht es darum mit einem Recht auf Ausbildung nun endlich den Druck auf Wirtschaft und Politik zu erhöhen um beides zu schaffen: mehr Ausbildungsplätze und Zugänge zur Ausbildung, genauso wie eine verbesserte Förderung und Begleitung am Übergang und während der Ausbildung selber. Denn auch, wenn gerade auf Landesebene Verbesserungen beim Übergangsgeschehen zu registrieren sind, der Blick auf die jungen Geflüchteten und andere Jugendliche mit relativ hohem Unterstützungsbedarf zeigt, dass die Anstrengungen weiterzuerhöhen sind, damit das gemeinsame Ziel einer Ausbildung für (wirklich!) alle jungen Menschen, endlich etwas näher rückt.

Quelle: BAG KJS

Bilder: BAG KJS und LAG KJS NRW