Es gibt immer weniger junge Menschen in Deutschland – doch der Anteil der 15- bis 25-Jährigen, die einen erhöhten Förderbedarf haben, steigt. Inzwischen haben ein Viertel der jungen Menschen, die eine durch die Bundesagentur für Arbeit geförderte Berufsvorbereitung oder Ausbildung beginnen, eine psychische Behinderung. Dazu gehören zum Beispiel Lernbehinderungen oder Depressionen. In den meisten Fällen sind diese Erkrankungen nicht angeboren, sondern werden durch belastende Lebensumstände erzeugt. Aktuelle Analysen des DGB zeigen, dass Menschen, die von Hartz IV leben, überdurchschnittlich oft betroffen sind. Faktoren wie Armut, beengtes Wohnen, geringere Bildungschancen, weniger Teilhabe an der Gesellschaft beeinflussen die körperliche, geistige und emotionale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen negativ. Der DGB fordert daher Sofortmaßnahmen gegen Kinder- und Jugendarmut.

Gleiche Chancen? Fehlanzeige

Von gleichen Chancen sind behinderte Hartz IV-Empfänger noch weit entfernt, stellt der DGB fest. Obwohl sich psychische Behinderungen und Lernbehinderungen durch Prävention und Förderung in vielen Fällen vermeiden ließen, erhalten die Betroffenen selten Unterstützung.

Jeder vierte Jugendliche, welcher aufgrund einer Behinderung durch die BA eine Berufsausbildung erhält, kam aus einer Hartz-IV-Familie. Junge behinderte Menschen kommen überproportional aus Hartz IV. Die Zugänge aus den Nicht-Hartz-IV-Familien sind zahlenmäßig höher, jedoch anteilsmäßig unterproportional.

Für erwerbsfähige Hartz-IV-Bedürftige ab 15 Jahre ist ein Mehrbedarf in Höhe von 35 Prozent des geltenden Regelsatzes berücksichtigt, der beantragt werden kann. Für behinderte Kinder sind dagegen keine generellen Mehrbedarfe vorgesehen.

Kinder- und Jugendarmut: Was ist dagegen zu tun? – Forderungen des DGB

Armut zieht einen Rattenschwanz an Benachteiligungen nach sich. Neben schlechteren Bildungschancen sind von Armut betroffene Kinder und Jugendliche öfter gesundheitlich beeinträchtigt und behindert. Neben vielen anderen Verbänden macht sich auch der Gewerkschaftsbund für die Bekämpfung der Armut stark. Im Kontext seiner Analysen zu Hartz IV und Behinderung schlägt der DGB folgende Maßnahmen vor, um Kinderarmut und ihre verheerenden Folgen schnellstmöglich einzudämmen:

  • Sofortige Deckung des Mehrbedarfs für behinderte Kinder und Jugendliche in Hartz IV
  • Bedarfsgerechte Hartz IV-Regelsätze
  • Sofortprogramm „Zukunft für Kinder – Perspektiven für Eltern im SGB II“
  • Existenzsichernde Beschäftigung für Eltern
  • Kindergeld und Wohngeld armutsfest ausbauen
  • Soziale Infrastruktur für Kinder und Jugendliche ausbauen

Die Analysen und Forderungen des DGB im Volltext lesen: Behinderung-und-Hartz-IV

Quelle: DGB arbeitsmarktaktuell April 2018